Jesus Christus - Herr der Geschichte

Jesaja 45, 1+5-7

Haben wir heute oft nicht eher den Eindruck: Gott sind die Weltgeschicke aus dem Ruder gelaufen. Er hat auf seiner Erde nichts mehr zu sagen. Die Mächtigen unserer Welt haben längst das Sagen übernommen. Sie diktieren das Zeitgeschehen!

Es gibt viele Situationen auf unserer Welt, wo wir uns fragen, wo Gott - als Herr der Geschichte - bleibt, z.B. Kriege wie in Ex-Jugoslawien, Irak, Terroranschläge in Israel, moralischer Verfall (sexuelle Freizügigkeit; Prostitution; Abtreibungspille, Kinderpornographie), Verlust christlicher Werte: Wo bleibt da Gott, der Herr der Geschichte?

Wobei es auch Gegenbeispiele gibt: Staatengründung Israels, Zusamenführung Deutschlands, Beendigung der Regime Hitlers, Stalins, Ostblock

Politiker bekennen sich öffentlich, daß sie Gott nicht brauchen, daß sie sich lieber auf sich selbst verlassen. Warum schaut Gott da zu? Warum greift er nicht ein? Oder hat er wirklich nichts mehr zu sagen?

Ich stelle mir das so vor: daß Gott nur den Kopf schütteln kann, wenn er das bunte Treiben auf unserer Erde sieht. Wenn Menschen glauben, sie könnten alles selbst vollbringen, nach Macht streben, längst bewiesen haben, daß es Gott nicht gibt, da gilt dann Psalm 2,4: "Der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der Herr spottet ihrer."

Warum greift Gott so oft nicht ein? Ich denke, so wie man bei einem Kind manchmal den Erziehungsstil anwendet, "aus Fehlern wird man klug", laßt Gott häufig auch den Menschen Wege gehen, damit er selbst die Folgen seines Handelns erkennen kann. Er könnte auch immer sofort dazwischenschlagen. Aber damit würde er uns quasi "entehren". Unsere Fähigkeit, einen eigenen Willen zu haben, kreativ zu sein, Schlußfolgerungen zu ziehen, Verantwortung zu übernehmen, käme dann nicht zur Geltung.

Ich denke, häufig überläßt Gott die Schicksale, weil der Mensch nur durch das Chaos, das er angerichtet hat, ins nachdenken kommt und das oft die einzige Chance ist, einen Menschen zur Umkehr zu bewegen.

Beeindruckend im Text ist, daß Gott auch durch ungläubige Politiker / Machthaber handelt. Er setzt seinen Plan durch den König von Persien, der Gott gar nicht kannte, um.

Das beruhigt mich ungemein, weil ich wissen darf, Gott ist letztlich Herr der Geschichte, und er ist nicht abhängig von einem christlichen Regime, um zu seinem Ziel zu kommen (obwohl man von der Bibel durchaus sagen muß, daß in Regimen, die nach christlichen Werten handeln i.d.R. deutlich mehr Segen fließt als in unchristlichen). Aber dennoch ist Gott mächtiger als jedes Regime und vollbringt seinen Willen auch durch sie. Das macht mir Mut, auch dann wenn in der Politik die christlichen Werte immer mehr verdrängt werden. Doch gerade das sollte uns noch mehr ermutigen, für die Politiker zu beten.

Auffallend ist im Text, daß es in V. 7 nicht heißt "Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache, und der ich Frieden gebe", sondern ... (auch "Finsternis schaffe" und "Unheil schaffe"). Von Gott würde man eher das erste erwarten.

Doch von einer Person, die Autorität ausstrahlt (der man vertraut und folgt), gehört beides. Ein Mensch, der nur Licht und Frieden gibt, zu dem kommt man gerne, faßt Vertrauen, kann sein Herz ausschütten, aber man würde ihn sehr wahrscheinlich nicht als Leiter oder Führungskraft für eine bestimmte Aufgabe einsetzen.

Doch Gott, der Herr der Geschichte ist, muß beides beinhalten: Er muß Liebe ausstrahlen und Gerechtigkeit. Und zur Gerechtigkeit gehört nun mal auch, daß man dem Unrecht auch entgegentreten muß, daß man Gesetzeswidrigkeiten nicht auf Dauer dulden kann. Wer gerecht ist, der muß auch für Recht und Ordnung sorgen. Und das geht leider oft nicht ohne Widerstand.

Und Gott hat ein globaleres Ziel als wir oft vor Augen haben: Für uns kommt es primär darauf an, daß Frieden herrscht, daß wir gesund sind, daß wir Arbeit / Auskommen haben und mit den Menschen auskommen, mit denen wir zu tun haben.

Gott hat aber eine ganz andere Ausrichtung: Er möchte unser Seelenheil, unser ewiges Leben, Frieden auf Ewigkeit. Und um das zu erreichen, benötigt er nicht selten, daß der Mensch ins Nachdenken kommt und dadurch Gott kennenlernt und eine Beziehung mit ihm aufbaut und vertieft. Und das geht manchmal eben nur dadurch, daß er Finsternis und Unheil zuläßt bzw. im Leben von einzelnen schafft.

Gott denkt globaler als wir - daher setzt er andere Prioritäten. Die Lebensspanne ist für ihn nur eine kleine Spanne in der Ewigkeit.

Letztes Beispiel:

Wenn ich einen einflußreichen Menschen als Freund habe (z.B. in der Politik oder in der Wirtschaft), dann kann dieser etliches bewegen. Und ich kann über diese Schiene evtl. Dinge erreichen, zu denen ich sonst nie die Möglichkeit hätte.

Wir haben in Jesus eine sehr einflußreiche Person, nämlich den Herrn der Geschichte - zum Freund. Er macht uns das Angebot, Einfluß zu nehmen. Er hat uns das Gebet angeboten - wir dürfen Jesus bitten, und er kann - wenn er will und es für gut hält - gewaltige Dinge beeinflussen, wie wir es nie für möglich gehalten hätten und aus eigener Kraft nie geschafft hätten - weil Jesus die Fäden der Politik und der Geschichte in der Hand hält. Gott hält uns oft an der langen Leine, d.h. wir haben viel Gestaltungsfreiraum (vgl. Hund), doch er hält die Leinen in seiner Hand.