Vergebung

 

 

Einführung:

Thema Vergebung zwischen den Menschen. Vergebung Gottes zu uns wird morgen Thema sein.

Gemeinsames Erarbeiten, da ich nur meine Gedanken weitergeben kann, jeder aber gute Gedanken hat, und wenn wir sie gemeinsam einbringen, ist die Fülle größer.

 

Lesen der Texte:

Matthäus 6,12.14+15

Matthäus 18,21-35

 

Fragen zu den Texten:

siehe Anlage

Behandeln in den Gruppen, keine allgemeine Vorstellung der Ergebnisse

 

Ausführungen:

Vergebung von Gott ist unmittelbar gekoppelt mit Vergebung zu Menschen

Warum: Vertikale muß sich in die Horizontale auswirken, sonst nur Lippenbekenntnis, keine Herzenshaltung

Warum sollen wir vergeben: Vergebung befreit!

==> Vorlesen des Textes: Vergebung befreit (aus: C. Schwarz: Der Liebe-Lern-Prozeß, Übung 7)

Welche Arten von Vergebung gibt es?

1. Jemand fügt mir Unrecht zu: Es ist mir freigestellt, dem anderen dieses Unrecht zu vergeben ==> ich vergebe jemand anderem (ich kann aktiv in den Prozeß eingreifen)

2. Ich füge jemand anderem Unrecht zu: Es ist mir freigestellt, mich zu entschuldigen, ich bin auf die Gunst des anderen angewiesen, ob er mir vergeben will oder nicht ==> jemand anderes vergibt mir (ich kann nur bedingt aktiv in den Prozeß eingreifen, indem ich mich entschuldige. Die Vergebungsbereitschaft hängt allein vom anderen ab)

 

Fragen

==> Tafel (zunächste ca. 10 Minuten jeder für sich, danach 10 Minuten in Gruppen)

× Wie fühle ich mich, wenn mir unrecht getan wird?

× Wie reagiere ich bzw. wie gehe ich damit um?

× Bin ich mit meiner eigenen Reaktion zufrieden?

Wenn nein, wie würde ich mir wünschen zu reagieren?

× Wie fühle ich mich, wenn ich an jemand anderem schuldig geworden bin?

× Unternehme ich etwas? Wenn ja, was?

× Bin ich mit dem, was ich unternehme zufrieden bzw. wie würde ich gerne handeln?

 

Ausführung

× Jesus ist die Vergebung sehr wichtig

Das praktische Umsetzen hat für Jesus viel größere Bedeutung als der äußere Schein (Mt. 6,14.15)

Auch bei mir merke ich die Auswirkungen auf die Beziehung mit Gott.

× Wie sieht es jedoch mit der Vergebung in der Praxis aus?

Man spricht schnell von Vergebung, die grundsätzliche Bereitschaft ist meist da.

Aber wie läuft es wirklich ab?

u Ich vergebe dem anderen, dann baut er wieder einen Bock oder tut etwas, was mir Mühe macht, oder meine Gedanken beginnen einfach wieder zu kreisen. Plötzlich kommen die alten Gedanken wieder hoch.

u Worte wie "schon wieder", "immer", "nie" (Schon wieder hast du den Mülleimer nicht rausgestellt, immer nörgelst du an mir herum, nie hörst du mir zu) verraten, daß ich das Negative von früher festgehalten und addiert habe, statt es zu vergeben.

Wie kann echte Vergebung geschehen?

 

1. Schritt: Grundsätzliche Bereitschaft zur Vergebung

× nicht selbstverständlich

× "Wieso muß ich mit jedem in Harmonie leben?"

 

2. Schritt: Konkrete Bereitschaft zur Vergebung

× wesentlich schwieriger

× "Wieso soll ich eigentlich den Anfang machen?"

× "Ich habe mir doch nichts zuschulden kommen lassen?"

× "Er hat mich doch verletzt - ich weiß gar nicht, was ich ihm vergeben soll!"

==> Ist aber nicht doch Vergebung angesagt?

× Ist Vergebung nicht überall dort erforderlich, wo Beziehungen nicht mehr intakt sind, ganz unabhängig, wer daran Schuld hat?

Vegebung hat auch ganz viel mit Versöhnung zu tun. Dort wo zwei Menschen sich versöhnen wollen, muß Vergebung praktiziert werden.

 

3. Schritt: Beide Seiten müssen die Versöhnung wollen bzw. den Bedarf zur Versöhnung sehen.

× Was tue ich, wenn einer die Notwendigkeit zur Versöhnung sieht, der andere aber nicht?

× Soviel an euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden (Röm. 12,18)

Sagt zweierlei:

u Ich bin aufgefordert, die Bereitschaft zur Versöhnung meinerseits aufzubringen. (wenn ich schuldig geworden bin, mich entschuldigen, wenn der andere schuldig geworden ist, ihm zu vergeben)

u Nicht alles liegt in meiner Macht. (z.B. ob der andere mir vergeben will)

× Was mache ich z.B., wenn einer immer seinen Willen durchsetzen möchte oder immer das Sagen haben möchte? (in der Gemeinde, unter Freunden, in der Ehe)

Soll ich mich dann immer fügen, dem anderen immer seinen Willen lassen?

Ist diese echte Versöhnung?

Das geht in der Regel nicht gut. Schon nach kurzer Zeit kommt die Sache hoch und äußert sich in oft recht grotesken Formen.

Besonders in der Ehe kann eine Beziehung auf dieser Basis nicht funktionieren.

× Was, wenn der andere sich angegriffen fühlt (z.B. wenn ich ihm mitteile, was mir Probleme bereitet oder wo er mich verletzt hat)?

==> Beten, daß Gott den anderen versöhnungsbereit macht und daß ich mit der Situation leben kann.

 

4. Schritt: Wenn die beiden Parteien trotz Versöhnungsbereitschaft nicht klarkommen, fremde Hilfe in Anspruch nehmen

× Nachdem Vergebung praktiziert wurde, kommt des dennoch immer wieder vor, daß die beiden Personen nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

× Verletzungen sind da, Distanz ist eingekehrt, Verhaltensmuster sind nach wie vor dieselben, obwohl Vergebung geschehen ist.

==> fremde Hilfe in Anspruch nehmen

× Es ist keine Schande, wenn man nicht alle Probleme alleine lösen kann. Auch ein Christ muß nicht alle Probleme alleine mit seinem Gott lösen können (Vorwurf: Ich glaube nicht recht). Christ werden bedeutet, eine andere Zielrichtung einzuschlagen.

Anderer Fall, wo diese Form der Versöhnung gar nicht möglich ist:

× Was, wenn ich z.B. mit der Art des anderen nicht zurechtkomme, aber wo sich in mir etwas aufgestaut hat.

Eine Aussprache würde den anderen nur verletzen, nicht helfen, aber meine Beziehung zu ihm ist dadurch gestört

× Hier ist eine zweiseitige Versöhnung oft gar nicht möglich

==> fremde Hilfe; Bitte, mit der Kraft Jesu den anderen so annehmen können wie er ist.

==> echte Versöhnung erfolgt da, wo eine Sache aus dem Herzen ausgeräumt wird.

 

2 Tips

× Das Vergebungsgeschenk: Wenn Dir im Laufe der nächsten Woche irgendjemand unrecht tut, dann nimm Dir zwei Dinge vor. Erstens: Vergib sofort. Am besten im Gebet. Zweitens: Mache demjenigen, dem Du vergeben hast, ein kleines Geschenk, das - wenn möglich - irgend eine Beziehung zu Deinem Konflikt hat. Beobachte, welche Auswirkungen das auf Dein Gefühlsleben hat.

× Dofort um Vergebung bitten: Wenn Du Dich selbst auf frischer Tat ertappst, wie Du jemand unrecht tust, sage zu diesem Menschen möglichst sofort: "Bitte, verzeih mir. Es tut mir leid." Beobachte, wie Dein Gesprächspartner darauf reagiert.

 

Letzte Übung

Zunächst jeder für sich (ca. 10 Minuten), Danach Gespräch ihn Gruppen mit abschließendem Gebet, Open End

 

Konkrete Vergebung

Gibt es Menschen in meinem Leben, mit denen ich in Konflikt lebe, wo Vergebung noch aussteht?

 

 

Wenn ja:

Schreibe den Namen der Person auf, die Dir am meisten Kummer bereitet.

 

Welche Schritte möchte ich unternehmen, um diesen Konflikt auszuräumen?

 

Habe ich den Konflikt verursacht oder hat die andere Person ihn verursacht? Habe ich Mitschuld an dem Konflikt?

 

Ist es dran, dem anderen zu vergeben?

 

Welche konkreten Schritte möchte ich nach der Freizeit unternehmen, um den Konflikt auszuräumen? Sprich mit den anderen in der Gruppe über diese Schritte!

 

 

 

 

 

Wenn nein:

Überlege Dir eine Person, mit der Du einen Konflikt hattest und wo Ihr Euch versöhnt habt!

 

Wer hat den Konflikt verursacht, wie hat sich die Situation dargestellt?

 

Welche Schritte hast Du unternommen, um diesen Konflikt auszuräumen?

 

Was lief dabei gut, was weniger gut? Hat Dein Gegenüber die Versöhnungsbereitschaft erwidert?

 

Welche Hilfestellungen kannst Du jemandem geben, der gerade in so einem Konflikt steht?

 

Vergebung

 

 

Mt. 6,12.14+15; 18,35

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Vergebung Gottes und der Vergebung unter Menschen?

 

 

 

 

 

 

Mt. 18, 21.22

Was möchte Jesus ausdrücken, wenn er Petrus sagt, er solle 7 x 70 mal, also unbegrenzt oft vergeben?

 

 

 

 

 

 

Mt. 18, 23-35

Der Gegenwert der Schuld, die der Herr erlassen hat, beträgt ca. 90 000 000 DM, der Gegenwert der Schuld, die der Knecht erlassen hat, ca. 100 DM.

Das Gleichnis zielt darauf ab, weil Gott uns unbezahlbar viel vergeben hat, wir unseren Mitmenschen, die im Vergleich dazu nur geringes Unrecht begangen haben, daher auch vergeben sollen.

Ist uns das in solch einer Situation bewußt? Denken wir in dem Moment, wenn ein anderer Unrecht an uns begeht, daran, wieviel Gott uns vergeben hat?

Würde sich an meinem Verhalten meinem Schuldner gegenüber etwas ändern, wenn ich mir in dem Moment Gottes Vergebung bewußt machen würde?