Karfreitag
L Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn - und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.
Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.
Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung. (Jes. 42,1-4)
Geschichtliche Bedeutung: Biblisches Wort ist kein zeitloses Wort, sondern immer in eine bestimmte Zeit gesprochen (besonders bei prophetischen Worten). Aber: bibl. Wort ist kein zeitgebundenes Wort, sondern immer überzeitlich übertragbar.
Aktuelle Erwartung: bei entschiedenen, bibeltreuen Christen: hohe Endzeiterwartung (schon vor 20 Jahren: lange wird es nicht mehr dauern (2.Ölkrise+Ressourcen-Engpass, Nato-Nachrüstung+Overkill, Feindbild Russen, saurer Regen+Umwelt); Katastrophen werden endzeitlich gedeutet (Erdbeben, Kriege, Krankheiten), starke Erwartung von Gottesurteilen und Strafgerichten (z.B. Irak-Krieg); viele Versuche, das Zeitgeschehen in die Apokalypse einzuordnen.
Aber: wenig historische Einordnung (z.B. Pest, 30-jähriger Krieg, Erdbeben); wenig Bewusstsein der vielen (falschen) Endzeitprophetien in vergangenen Jahrhunderten; feste Vorstellungen, wie es weitergeht.
® die heutige Situation der Endzeiterwartung war in den letzten 2700 Jahren häufig vorhanden. Wenn wir den damaligen Fortgang der Weltgeschichte betrachten, können wir auch auf Heute schließen.
Biblischer Hintergrund der Jesaja-Prophetie:
Zeit: 550 v.Chr. – Die Endzeit scheint nahe. Warum?
Es war die Zeit der babyl. Gefangenschaft. Was heißt das? Gelobte Land ist verloren, der Tempel zerstört, kein König mehr, der Gott Israels hat gegen die Götter Babylons verloren. 70 Jahre lang!
Bsp: Das wäre für Christen, wie wenn es einen absolut sicheren Beweis gäbe, dass Jesus nie gelebt hat und dass das NT von einer religiösen Sekte geschrieben wurde (wie der Koran). Und zwar über 70 Jahre! (wieviele Christen gäbe es in 70 Jahren noch ...?)
Dann: Prophetie, dass einer kommen wird und das Schicksal nochmal wendet: der Messias, der Gesalbte! ® ein gespanntes Warten auf den Messias in Israel. Jeder, der auffällt, wird beobachtet. Was ist das für ein Mensch? ® Beschreibung in 4 Gottesknechtsliedern ® siehe Anhang
Gott spricht: Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn - und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.
Der versprochene Retter = Knecht, d.h. treu,
dienstbereit, tut den Auftrag des Herrn.
Dass er das tut bringt Wohlgefallen
Knecht = zweiseitige Verpflichtung: Der Knecht dient dem Herrn <–> der Herr sorgt/bewahrt den Knecht (ich halte ihn). Ein Knecht Gottes zu sein ist etwas Gutes!
Weil er treu dient, deshalb hat Gott ihn ausgewählt! ® nur jemand, der treu und uneigennützig ist, kann dieser Knecht sein. ® wie viele selbsternannte Erlöser sind seitdem aufgestanden (und stehen heute noch auf) – und haben doch nur ihren eigenen Vorteil im Sinn!
Wer ist dieser Knecht, von dem Gott spricht? Heute wissen wir: Jesus Christus ® Bei der Taufe am Jordan bestätigt Gott seine Berufung: "Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Freude habe! Ihn habe ich erwählt." (Mt 3,17)
Prinzip Gottes bis heute: wen Gott beruft, der muss
sich Gott hingeben – wie Jesus es tat.
F: Willst du das? Tust
du das, was du für Gott tust, aus Liebe, Gehorsam und Treue – oder zu deinem
eigenen Vorteil?
Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.
Recht/Gerechtigkeit – Doppelbedeutung:
1. jemand will Gerechtigkeit (das heißt, dass man gerecht mit ihm umgeht). Wieviel Ungerechtigkeit gibt es in dieser Welt (Menschen: unschuldig im Gefängnis, Krieg, Familien/Geschwister ® „Ich war das sechste Kind, ich durfte keine Ausbildung machen, sondern musste arbeiten“. – Ungerechtigkeit als Schicksal: am falschen Ort zur falschen Zeit geboren ® Brasilien (Martin Kleefeldt): 50 Mio nur 1 Mahlzeit pro Tag)
2. gerecht sein, d.h. ohne Schuld vor Gott: „Wenn Gott so mit mir umgehen würde, wie ich mit anderen umgehe“ ® das wäre Gerechtigkeit. Das will man lieber nicht. Wie kann ich vor Gott bestehen – die Grundfrage in vielen Religionen. F: Wie kannst du vor Gott bestehen?
Die Welt hungert nach Gerechtigkeit! Viele sind aufgestanden und haben gesagt: Ich bringe Gerechtigkeit. Manchmal wurde etwas besser – oft nicht. Nur einer kann Gerechtigkeit schaffen: Gott – er schickt seinen Knecht Jesus: Er wird das Recht unter die Heiden bringen.
Sein Auftrag ist zunächst die zweite Bedeutung von Gerechtigkeit: Wie wird ein Mensch gerecht vor Gott?
Antwort: nur durch den Geist Gottes! Jesus: Und wenn er (der Heilige Geist) kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht. (Joh. 16,8)
Noch ist die Zeit der Gnade, in der Gerechtigkeit für die Heiden (= nicht-jüdische Menschen) möglich ist: Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2.Kor 6,2) ® Zitat aus Jes. 49
Einordnung:
· 550 v. Chr (Jesaja): keine Gnade und Gerechtigkeit für die Heiden.
· Seit Jesus / Hl. Geist / Gemeinde: Das Evangelium erreicht viele Völker und Regionen (Kleinasien, Europa, Amerika, ... Afrika, China, Ostasien) ...
· Heute: Es gibt noch Teile, die vom Evangelium nicht erricht sind, vor allem: islamische Länder.
Aber: Der Knecht – Jesus – wird das Recht unter die Heiden bringen. Ich bin überzeugt: Es wird auch noch eine Zeit der Gnade für die moslemischen Völker anbrechen, wo der Geist ihnen die Augen öffnet – und sie hat schon begonnen!
Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.
„Ich würde es anders tun“ – der Weg des Gottesknechtes entspricht nicht den Erwartungen. Er schreit nicht!
· anders als das Geschrei der heutigen Zeit (Werbung, Selbstdarstellung)
· Jesus schweigt selbst, als er unschuldig angeklagt wird (vor Herodes)
· Jesus schweigt am Kreuz – er schreit nur ein Mal: zu Gott
Er ruft die Menschen nicht durch Geschrei und Gewalt zur Umkehr und zu sich. ® Evangelisation durch Gewalt ist nicht Gottes Weg (Bsp: Europa ist in weiten Teilen „christianisiert“ worden. Aus der Geschichte des Christentums: „Christentum – Anerkennung und Eroberung“, „Konstantin und das christliche Imperium“, „Die christliche Gesellschaft“, „Die Kreuzzüge“).
Gott sieht das Herz des Menschen an, und nicht die religiösen Praktiken.
Der Ruf von Jesus zur Buße, zur Gerechtigkeit, ist leise. Aber er ist dringlich und ernst!
Die leisen Stimmen sind manchmal die wirklich wichtigen – die lauten sind oft nur Theater.
Wenn Jesus dich ruft – zur Umkehr – dein Leben loszulassen und ihm zu geben, dann meint er es ernst. Zu viele haben gesagt: Ich bin noch nicht so weit. Und dann war es zu spät. Dann wird dein Herz wieder hart. Jesus ist so weit – heute, jetzt. Er ist für dich gestorben. Er steht vor deiner Tür. Wenn du ihm aufmachst, wird er eintreten und du kannst Gerechtigkeit, das Ewige Leben bekommen.
F: Wenn nicht, geht er weiter. Heute ist die Zeit der Gnade. Willst du das tun?
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.
Ein geknicktes Rohr – das hat keinen Halt mehr. Bsp: Getreidehalm: hat eine enorme Stabilität - aber einmal geknickt, richtet er sich nie mehr auf!
Viele Menschen sind wie ein geknicktes Rohr – so leicht verletzlich, und die eigene Kraft nutzt nichts mehr. Auch nicht vor Gott. Auch wenn wir es nicht gerne zugeben: es fehlt doch nicht viel, und wir sind so schwach und hilflos (Bsp: eine Grippe, Kopfschmerzen, jemand kommt nicht und wir warten, ein Kind hat sich verlaufen ...).
Wenn er kommen würde, um zu richten, dann würde er uns wie ein geknicktes Rohr abbrechen – wie einen glimmenden Docht ausblasen.
Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. (Ps. 103)
® Doch Gott sieht unsere Schwachheit und schickt nicht einen Knecht, der mit Eisenstiefeln/Panzern/CruiseMissiles kommt, sondern der sich selbst opfert, um uns zu retten. Weil er gnädig ist, bricht er uns nicht und löscht uns nicht aus.
® Manchmal wird uns Sünde und Untreue bewusst (Bsp). Wie herrlich/tröstend/hell in unserer Dunkelheit erscheint uns da die Gnade/Vergebung/Treue unseres Gottes:
Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die seinen Bund halten (Ps 103, 15-18)
In Treue trägt er das Recht hinaus – für dich schafft er das Recht, dich macht er gerecht.
Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte.
Doppelter Ausdruck: V3: er wird (andere) nicht zerbrechen und auslöschen <–>V4: er wird nicht verlöschen und zerbrochen werden ® In der Welt gilt oft: wer nicht Gewalt ausübt, dem wird Gewalt angetan und er wird zerbrochen werden. Das wird auch von Jesus erwartet (® Judas zwingt ihn zur Gewaltanwendung, doch Jesus tut es nicht). Erwartung: Er wird (auf seinem Weg) keinen Erfolg haben, er wird keine Chance haben. Die Gewalt erscheint größer.
Aber: Jesus lässt sich nicht zerbrechen und nicht aufhalten:
· nicht durch die religiösen Machthaber seiner Zeit (sie geboten ihm zu schweigen)
· nicht durch seine Ermordung am Kreuz
· nicht durch seine (zunächst) verzagten Jünger
· nicht durch alle Verfolgungen der Gemeinde Jesu in den Jahrhunderten bis heute
Die Inseln warten auf seine Weisung.
„Inseln“ = die fernsten Länder = Heiden (Ungläubige) ® schon längst weisen die Propheten immer wieder darauf hin, dass der Messias nicht nur zu den Juden kommt, sondern der Retter für alle Menschen ist. Und sie warten auf Erlösung! ® das Christentum ist heute die am stärksten wachsende Weltreligion. Besonders unter den Armen. Jesus kam, um das Recht für die Heiden/Ungläubigen zu bringen. Ich glaube, dass die Zeit der Evangelisation unter Moslems noch kommt!
Die Verkündigung liegt bei uns. ® Evangelistisch / Missionarisch (Karfreitagsopfer)
L Jes 61,1-2
1. Gottesknechtslied: Jes 42, 1-4
Gott spricht über seinen Knecht
2. Gottesknechtslied: Jes 49, 1-6
Der Knecht spricht über seinen Auftrag
3. Gottesknechtslied: Jes 50, 4-9
Der Knecht spricht über sein Leiden
4. Gottesknechtslied: Jes 52,13 – 53,12
Gott spricht / die Gemeinde spricht
5. Freudengesang: Jes 61,1-4
Der Knecht spricht von den Segnungen, die durch sein Leiden geschehen werden.