Am letzten Sonntag (Palmsonntag): Wer zu Jesus gehört, der gehört zu einer großen Sache! Am engsten gehörten damals die Jünger zu dieser großen Sache. Das haben sie hautnah erlebt! Die schönen Dinge – wie z.B. der begeisternde „Jesus-Marsch“ an Palmsonntag oder folgendes Erlebnis:
L Mt 16, 13-17
Endlich! Endlich sagt Jesus das, was die Jünger glauben, hoffen und weshalb sie alles aufgegeben haben und Jesus gefolgt sind: Jesus sagt „offiziell“, dass er der Messias ist, der erwartete, ersehnte Retter! Das baut voll auf: „Wir gehören dazu, wir sind sogar ist Nächsten, die Wichtigsten, die Auserwählten! Ganz Israel wartet seit Hunderten von Jahren – und wir sind jetzt dabei!“
Es gibt seltene Momente im Leben, da ist man mit einem „Größeren“ zusammen, der einem seinen Plan anvertraut – und man merkt: Er will mich dabei haben.
In so einer Situation waren die Freunde von Jesus und sie hofften, dass Jesus ihnen jetzt seinen Plan anvertraut: Hier ist der Retter, der von Gott gesandt ist und die Welt retten will – was hat er vor? Da würde mir das Herz klopfen und meine Augen und Ohren wären sooo weit offen!
Jesus spricht also weiter:
L Mt 16, 21
Da erschrecken die Jünger! Jesus sieht ganz klar, was auf ihn zukommt. Er sieht das Kreuz vor sich, und er weiß, dass dies der einzige Weg ist, um diese Welt zu retten. Und er muss jetzt seine Freunde einweihen in das Geheimnis des Kreuzes. Aber was machen die Freunde? Sie erschrecken, sie sind entsetzt, sind fassungslos!
Ein Kreuz war damals nichts Außergewöhnliches. Sie hatten schon viele Kreuze gesehen an den Landstraßen Israels, denn das Kreuz war ein verbreitetes Hinrichtungsmittel der Römer. Aber für Juden war der Anblick eines Kreuzes umso grauenhafter, weil in der Schrift steht: Wer am Holz hängt, ist ein Verfluchter! (5. Mo 21,23) ® Der Gekreuzigte ist von Gott verflucht und verstoßen. Und das sollte mit Jesus geschehen? Nein!!! Petrus spricht / ruft aus, was alle denken: NEIN!
L Mt 16,22
Petrus erschrickt ...
... über diese Ankündigung: Sein bester Freund Jesus, der von morgens bis abends Gutes tut, Menschen ermutigt, heilt, hilft, der auf jede Bequemlichkeit verzichtet und immer für andere da ist und nie etwas Böses getan hat, der soll am Straßenrand wie ein Verbrecher gehängt und zu Tode gequält werden? Und das soll von den geachteten Hohenpriestern und Schriftgelehrten gemacht werden?
... über Jesus selbst: Gerade hatte er ihnen anvertraut, dass er der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der Retter und Heiland ist. Das ist unmöglich, dass er sich freiwillig quälen und töten lässt. Gerade jetzt hatte er doch etwas ganz anderes von Jesus erwartet.
... über Gott: Für Petrus war eines klar: Gott ist gerecht und das heißt, dass er die Schuldigen bestraft und dass er die Unschuldigen beschützt und bewahrt. Wenn Gott das zulassen würde, dann kann er kein gerechter und liebender Gott sein. Petrus erschrickt über Gott.
... über die Zukunft: Was soll denn aus ihnen, den Freunden von Jesus werden, wenn das passiert? Werden sie auch leiden und sterben müssen?
Das ist vielleicht die Frage, die ihn am meisten/persönlichsten bewegt: Muss ich auch leiden? Werde ich auch verfolgt, gefangen genommen, getötet?
Weil er das nicht will, nimmt er Jesus zur Seite und will ihn überreden – und wir können sicher sein, dass er nicht nur einen Satz gesagt hat. Er hat alle Argumente zusammengenommen, die er finden konnte: „Jesus, denke an deinen Auftrag, denke an Gottes Willen, denke an dein Volk, denke an dich, an deine Familie, an uns: Du darfst nicht sterben! Tu das nicht, lasse das nicht zu!“
Jesus antwortet – mit der schärfsten Zurückweisung, die er je machte: „Geh weg, Satan! Du willst mir eine Falle stellen.“
Vor wenigen Minuten war Petrus ganz oben und Jesus sagte: „Auf dich will ich meine Gemeinde bauen.“
Jetzt aber wird er menschlich und widerspricht dem Geist Gottes – dies ist die Verführung des Teufels, der genau weiß, dass der Tod von Jesus seine entscheidende Niederlage sein wird. Deshalb wird Petrus nach ganz hinten verwiesen: „Geh weg, geh hinter mich!“ ® Wo ein Christ nicht ganz auf Gott sieht, tut er oft mit den besten Absichten die Sache des Bösen. Menschliche Beurteilungen sind oft nicht göttlich und der Teufel missbraucht auch die Gedanken der Kinder Gottes für seine Absichten. Aber Jesus setzt eine ganz klare Gegenposition gegen die (einleuchtenden) Argumente von Petrus:
"Wer mir nachfolgen will, darf nicht mehr an sich selber denken, sondern muss sein Kreuz willig auf sich nehmen und mir nachfolgen. Wer sein Leben um jeden Preis erhalten will, der wird es verlieren, aber wer sein Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen.“ (Mt 16, 24-25)
„Sein Kreuz auf sich nehmen“: Im römischen Reich musste der Verurteilte selbst den Querbalken des Kreuzes zur Hinrichtungsstätte tragen. ® Jesus sagt damit, dass wir selbst zur Hinrichtungsstätte gehen sollen. Wer wird hingerichtet? Jesus verlangt von seinen Jüngern (von uns), dass sie ihr eigenes, selbstbestimmtes, Gott-ähnliches ICH hinrichten! Das hat Folgen:
Jesus nachfolgen bedeutet nicht, den Schwierigkeiten im Leben aus dem Weg zu gehen!
Das ICH töten bedeutet, JA zu sagen zu dem Weg, den Gott mit mir hat!
· Das bedeutet für den einen, mit Menschen zusammen zu sein, die Not, Last, „Kreuz“ für ihn sind (Familie, Ehe, Kollegen) ® Gott hat einen Auftrag für uns mit diesen Menschen!
· Das bedeutet für den anderen, mit einer Lebenssituation umgehen zu müssen, die schwer ist (z.B. Krankheit).
· Das bedeutet für den dritten, dass er Bequemlichkeit, Komfort und Sicherheit aufgibt, weil Gott ihn an einen anderen Ort und in eine andere Aufgabe stellt.
F: Warum ist das so?