Mittwoch, 23. Februar 2000

Seelsorge (nach 1. Mose 18)

 

Einleitung

Diskussion mit Moni (Jeder Christ braucht einen Seelsorger): "Seelsorge brauchen Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen." Heute weiß ich: niemand kommt wirklich alleine mit seinem Leben zurecht.

Für dich als "Empfänger" und für dich als Seelsorger.

1. Mose 18, 1-15

Vers 1-8: Das Umfeld

Beschreibung von Umfeld, Stimmung, Beziehung

Vers 9-15: Seelsorge

Vers 9: Wo ist Sara? - Die wunde Stelle

Nach dem Mahl fragten die Männer Abraham: Wo ist deine Frau Sara?

Eine unerwartete Frage, die nach innen geht: Die Gäste waren draußen bei Abraham - nach innen (zu Sara) kamen sie nicht. Jeder Mensch hat:

Außenwelt: Tatsachen

Innenwelt: Bedeutungen

Gott, der Seelsorger, rührt jetzt die wunde Stelle an: Kinderlosigkeit!

Kinderlosigkeit: ca. 10-15% der Ehepaare sind ungewollt kinderlos (auch: "nur" ein Kind...). Ein langer Weg des Leides für den, der ein Lebensbild als Familie/Kinder... hat.

Außenwelt: keine Kinder / ein Kind

Innenwelt: Was bedeutet das?: ständig enttäuschte Hoffnung, von Gott enttäuscht ("Kinder sind ein Geschenk Gottes"), Tränen bei einem Kinderwagen, die Angst vor Nachfragen ® Aufbau eines Schutzpanzers ("Frage mich nicht! - das ist nicht mein Thema!")

"Wo ist Sara" = Laß uns mal über das reden, was ihr seit Jahren/-zehnten versteckt, ... was in euch vorgeht, ...was ihr nicht zeigen wollt, aber was euer Leben bestimmt, ... was euch bedrückt, ... was euer Leben bremst: die wunde Stelle eures Lebens

Was ist die wunde Stelle deines Lebens? kein Partner - schlechte Ehe - Aussehen - nicht erreichte Ziele/Träume - Eltern/Familie - Rolle in Gruppen - Krankheit - eine große Schuld, die niemand wissen soll

Abraham und Sara hatten getan, was sie konnten (bis zum Sohn der Magd) - doch sie hatten nicht erreicht, was ihr Herzenswunsch war ® Resignation

Vers 10: Sara soll einen Sohn haben - die neue Perspektive

Da sagte der Herr: Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau einen Sohn haben.

Das hat Abraham jetzt davon, daß er Gott aufnahm: Unruhe!

Gott spricht das Problem an, mischt sich ein - und auch noch eine unverschämte Versprechung!

Sind wir noch offen für neue Zusagen, neue Verheißungen, Veränderung?

Übrigens: Das ist keine Happy-End-Kindergeschichte: Gott hat den Wunsch von Abraham und Sara nicht direkt erfüllt!:

Achtung: Die Herausforderung als Seelsorger, nicht das zu versprechen, was wir wollen, sondern das, was Gott will!

Vers 12: Sara lachte - Resignation und die berechtigten Einwände

Sie lachte in sich hinein und dachte: Jetzt, wo ich alt und verwelkt bin, soll ich noch ein Kind empfangen? Und mein Mann ist auch viel zu alt!

Lachen - aus Freude - oder: als Ausdruck von Ablehnung: auslachen, darüber lachen, verlachen

Wer enttäuscht ist, resigniert hat, nichts mehr erwartet, der lacht so!

Wir können Sara verstehen: Was Gott sagt ist lächerlich, realitätsfremd, unmöglich. Wenn er wüßte, wieviel ich gekämpft, gebetet, gehofft, geweint habe!

Sara lacht sich die Unmöglichkeit dieser Botschaft aus der Seele - damit weist sie das Wort von sich: was lächerlich ist, ist nicht wert, beachtet zu werden.

Sie kann in ihrem Schneckenhaus / Zelt / Resignation bleiben.

Achtung: Resignation ist etwas anderes, als etwas zu begraben! "Change it, love it or leave it"

Manche Hoffnung/Traum muß begraben werden - dann aber richtig! (Bsp. Dieter und Susanne auf dem Fernsehturm).

Bsp: Kinder, Partner: ein Ja zu einer anderen Lebensform mit Freudigkeit!

Vers 14 - Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein

Da sagte der Herr zu Abraham: Warum hat Sara gelacht? Warum zweifelt sie daran, daß sie noch ein Kind gebären wird? Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?

= Höhepunkt, der Satz, auf den es ankommt!

Gott rückt die Sicht der Dinge zurecht und zeigt seine Sicht der Dinge.

Abraham/Sara sprechen menschlich: Erfahrung, Selbsteinschätzung, Fremdeinschätzung, begrenztes Maß an Glauben ® unmöglich!

Auch wir beurteilen Dinge menschlich und kommen zu dem Ergebnis: unmöglich!

"Unmöglich" gibt es nicht in Gottes Wörterbuch: "Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich" (Kamel durch’s Nadelöhr) - ähnlich bei allen anderen 21 Stellen der Bibel.

Unwort: nicht un-möglich ® möglich (wie Christ - Anti-Christ)

Wir haben einen Gott, dem nichts unmöglich ist! (Bsp: Witz vom Durchzug durch’s Rote Meer: 1. Israel läuft durch ® 20 cm Wasser; 2. Ägypter ertrinken)

Kennedy: "Viele sagen Warum? Ich frage Warum nicht?"

(Warum ist der krank? ® warum sollte er nicht gesund werden?

Warum ist der krank und wird nie mehr froh werden? ® warum sollte er nicht trotz Krankheit mehr Freude haben als alle Gesunden zusammen?)

Ignatius von Loyola (Gründer des Jesuitenordens) - Grabstein: "Warum eigentlich nicht?" ...alles von Gott erwarten, ...immer Hoffnung haben, Gott alles zutrauen, ...sich auf den Tod freuen, ...Gottes Plan für mein Leben annehmen, auch wenn ich nächstes Jahr an Krebs sterben sollte

Beachte die Betonung: Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein:

Dem Herrn ist nichts unmöglich! Manchmal: "Mir und dem Herrn ist nichts unmöglich - ich habe so großen Glauben, daß ist dir das... zusagen kann". Nein - nicht ich/du habe diese Vollmacht - Gott kann es tun. Aber er entscheidet.

Bsp: Erfahrungen: "Ich bete für dich, und dann wird es geschehen..."

Unsere Aufgabe als Seelsorger: bete und lenke den Blick auf Gott, dem nichts unmöglich ist!

Vers 14 - In einem Jahr komme ich wieder

Gott verspricht nicht etwas "unmögliches" und geht dann fort. Er kommt wieder! ® er steht zu seinen Zusagen und "schaut nach", wie es weitergeht und was daraus geworden ist. Das braucht ein Jahr Zeit!

Seelsorge braucht Zeit! Dinge verändern sich langsam und schrittweise. Wunder fallen selten vom Himmel - sie wachsen.

Bsp Abraham: "Ich will ein großes Volk aus dir machen" - das braucht Jahrhunderte! Dennoch war es ein Wunder und Gottes Versprechen ging in Erfüllung. Brauchen wir ein neues Wunder-Verständnis? ® "Ich bete für dich, und wenn du nicht in 5 min gesund bist, dann bin ich beleidigt".

Das Leben ist eine Geschichte des Wachstums, und wenn etwas Neues heranwächst, braucht es Zeit ...und Geduld ...und muß Rückschläge verkraften.

Viele sagen "Ich bin nicht so ein geduldiger Mensch" - und sind auch noch stolz darauf (= bei mir muß es schnell gehen!) Achtung: Geduld ist eine Frucht des Heiligen Geistes! ® Tun wir Buße und lassen uns von Gott verändern!

Als Seelsorger brauchen wir Geduld und müssen Menschen begleiten - über Monate und Jahre! Das bedeutet:

Zusammenfassung

Seelsorge:

  1. Beziehung
  2. Anrühren der wunden Stelle
  3. eine neue Perspektive aufzeigen
  4. Umgang mit Resignation, Vorwürfen, Einwänden
  5. Der Blick auf Gott: "Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?"
  6. Die Begleitung über einen Zeitraum