Im Glauben wachsen II

Glaube zweiter Dimension

Warum glaubt in Deutschland kaum jemand „wirklich“ an Gott? Weil kaum jemand Gott erlebt hat. Warum nicht? Weil wenige Deutsche Gott wirklich brauchen. Viele Menschen haben zu mir gesagt: „Ich brauche Gott nicht, mir geht’s gut!“ Natürlich würden wir Deutschen Gott in Anspruch nehmen: · Für einen Lottogewinn (aber die Menschen brauchen das nicht wirklich – es gibt andere Möglichkeiten, um zu überleben). · Oder bei Krankheit (aber dafür gibt es gute Ärzte). · Oder für die Versorgung, wenn wir alt sind (aber dafür gibt es eine Rente). ® Wie soll ein Deutscher erkennen, dass er Gott braucht?

Um Menschen wirklich zu „beeindrucken“ – das heißt, dass sie ihre bisheriges Meinung infrage stellen und bereit sind, über etwas Neues nachzudenken -  braucht es manchmal Wunder. Ali O. hat gesagt: „Ich habe viele Moslems kennen gelernt, die Christen geworden sind, Hunderte und Tausende, aber jeder von ihnen ist alleine und nur deshalb Christ geworden, weil er ein Wunder erlebt hat und damit erkannt hat, dass Jesus größer ist als Allah.“

Ich habe vor zwei Wochen gesagt, dass es Wunder erster und zweiter Dimension gibt. Und dazu gehört Glauben erster und zweiter Dimension. Der Glaube erster Dimension bedeutet: ich erwarte von Gott, dass er Dinge tut, die mich herausfordern und die meine Erfahrungen übersteigen – die aber durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Beispiel: Arbeitsstelle, Erziehung, Ehe, Dienst.

Damit wir Wunder der ersten Dimension erleben, gibt es Voraussetzungen. Wir müssen uns in einen Raum, eine Lebenshaltung hineinbegeben, in der Gottes Wirken möglich ist. Das heißt konkret: Ich bin treu (das betrifft meinen Charakter) und ich vertraue ihm. Ich schreibe Gott nicht vor, was er zu tun hat, sondern ich lebe im Einklang mit Gottes Willen. Ich vertraue Gott nicht, weil er tut, was ich erwarte, sondern weil ich weiß, dass er mich liebt. = Glaube erster Dimension.

 

Wenn wir bereit sind, Entscheidungen zu treffen, die den Glauben erster Dimension möglich machen, dann fängt das Leben an, interessant zu werden. Denn Gott möchte uns in den Glauben zweiter Dimension führen, in Erfahrungen, die nicht mehr im Bereich des Möglichen liegen. Gott handelt – evtl. auch gegen Naturgesetze, weit über menschliche Fähigkeiten hinaus. Das Unmögliche geschieht – das, was Menschen als Wunder bezeichnen und nach dem wir uns sehnen. Wir brauchen das – die Menschen brauchen das, denn sie müssen erleben, dass Gott existiert und dass er Dinge tun kann, die über ihren Erfahrungshorizont hinausgehen. Denn solange nur Dinge geschehen, die zwar nicht wahrscheinlich sind, aber immerhin möglich, dann erkennen nur wir selbst sie als Wunder. Aber: andere Menschen – und besonders Menschen, die nicht an Gott glauben – werden dies in aller Regel nicht als Wunder bezeichnen.

Das Volk Israel war seit langer Zeit vom Volk der Philister unterdrückt, ausgebeutet, der Willkür ausgesetzt: „Zwanzig Jahre lang litten sie große Not“ (1. Sam 7,1) Aber Gott hatte Rettung versprochen:

Samuel zum Volk: "Wenn ihr euch wirklich wieder dem Herrn zuwenden wollt, dann werft erst einmal die anderen Götter und Göttinnen weg. Setzt euer ganzes Vertrauen auf den Herrn und gehorcht ihm allein, so wird er euch von den Philistern befreien."1. Sam 7,3

® Gott fordert damit die erste Dimension des Glaubens: Vertrauen – und ein Leben in Treue. Das Volk Israel muss diese erste Dimension ergreifen – sonst wird die zweite Dimension nicht geschehen! Was ist die Herausforderung? Man muss ein Leben führen, das Gott hingegeben ist: weg mit den gottlosen Dingen, weg mit dem Vertrauen auf andere Götter (heute: Macht, Geld, Beziehungen, Glück [Lotto, Horoskop]) – Vertrauen auf Gott ohne sofort etwas zu sehen!!! Das ist die Prüfung.

Und nun zu den Philistern – wie kann sich das Volk Israel befreien? Sie wussten jetzt, dass Gott auf der Seite Israels war. Aber man ging die gewohnten Wege zur Befreiung: man besorgte sich Waffen, sammelte Soldaten, plante einen kriegerischen Aufstand. Man berechnete die Stärke des Gegners, überlegte eine Angriffsstrategie – dann verschanzten sich die Soldaten im sicheren Gelände. Sie warteten auf eine günstige Gelegenheit für einen erfolgreichen Angriff.

Aber es gab keine günstige Gelegenheit, denn: 3000 Israeliten standen 3000 Streitwagen und 6000 Reiter und unzählige Soldaten gegenüber (1. Sam 13,5). Und: die Philister hatten Eisenwaffen – die Israeliten hatten genau zwei Schwerter (1. Sam 13,22). ® Der schwache Mensch vor der Übermacht: David vor Goliath, Petrus vor der Gewalt des Orkans.

Und da war ein junger Mann bei den Israeliten: Jonatan. Er kannte Gott und er hatte etwas gelernt: Zahlen / Sicherheit ist für Gott uninteressant. Menschliche Berechnungen und Wahrscheinlichkeiten haben für Gott keine Bedeutung. Gott hatte einen ganz anderen Weg – und Jonatan hatte Mut, sich von Gott gebrauchen zu lassen.

Jonatan sagte nun zu seinem jungen Waffenträger: "Komm, wir wollen hinübergehen zum Wachposten dieser unbeschnittenen Heiden! Vielleicht hilft uns der Herr, denn für ihn spielt es keine Rolle, ob wir viele oder wenige sind." "Tu, was du für richtig hältst", antwortete sein Waffenträger. "Ich bin dabei! Du kannst auf mich zählen." (1. Sam 14,6-7)

Jonatan trat in die zweite Dimension des Glaubens ein. Hier gab es keine Sicherheit mehr, kein Netz unter dem Seil. Nur noch Gott. Ob Jonatan diese Abenteuer überleben würde, wusste er nicht. Er war nicht dumm, nicht naiv. Sondern er wusste, dass es nicht für alles eine Garantie gibt. Es gibt Dinge, die man weiß, und andere weiß man nicht. Jonatan wusste nur eines: Dass Gott mächtig ist und dass Gott gewinnen würde, egal wieviele Philister ihnen gegenüber stehen. Jonatan hatte Vertrauen zu Gott uns wusste: Gott macht keine Fehler! Sein Frage war nicht: Was ist Gottes Wille für mein Leben? Wir Christen fragen ständig: Was ist Gottes Wille für mein Leben? Und damit wollen wir wissen, was wir tun sollen, damit alles mit Sicherheit funktioniert – weil Gott ja weiß, wie man alles am besten macht: welchen Beruf soll ich lernen, wen soll ich heiraten, welches Auto soll ich kaufen ... ®Zeige mir, was ich tun soll, damit ich viel Segen bekomme.

Jonatan hatte eine andere Frage: Wie kann ich mein Leben ganz Gott geben, damit er mit / aus mir das machen kann, was er will. Jonatan hatte keine Gewissheit, was sein persönliches Wohlergehen betraf. Er wollte nur eine Gewissheit: dass er im Einklang mit Gottes Absichten handelt! Er wusste, dass Gott vertrauenswürdig ist – und er wusste, dass ein Leben mit Gott bedeutet, ein Leben voller Unsicherheiten zu akzeptieren.

Was würdest du sagen, wenn du Jonatans Waffenträger wärst: Er hat Angst, er hat nur eine Frage: „Wie komme ich hier ungeschoren wieder raus?“ Er will nach hinten fliehen – aber Jonatan ruft ihn nach vorne, zum Angriff. Gott ruft auch uns manchmal durch andere Menschen – sagst du „Ja, ich bin dabei“?

Jonatan und sein Waffenträger steigen hinauf zu den Philistern und beginnen den Kampf zu zweit (zu dritt – mit Gott). Sie schlagen den Wachposten der Philister (oft muss man mit einem Menschen anfangen, wenn man viele gewinnen will!).

Und es entstand ein Schrecken im Lager, auf dem Feld und unter dem ganzen Kriegsvolk der Philister. Auch der Posten und die Schar, die das Land Israel verwüsten sollte, erschraken. Und die Erde erbebte, und so entstand ein Schrecken Gottes. (1.Sam 14,15)

Jonatan und sein Waffenträger erleben ein Wunder der zweiten Dimension: menschlich nicht erklärbar, nicht kopierbar, nicht diskutierbar! Eines der Wunder, von denen man noch nach Jahrzehnten/-tausenden spricht, die in der Zeitung stehen, die überall erzählt werden.

Aber wir müssen eines wissen: · Wunder der ersten Dimension haben oft mit unserem persönlichen Leben zu tun: dass wir Gott erleben, seine Liebe und Fürsorge und dass dadurch unser Glaube gestärkt wird.
· Wunder der zweiten Dimension haben immer mit unserem Einsatz für Gott zu tun, mit Berufung, mit unserem Dienst. Wunder der zweiten Dimension hängen mit unserer Bereitschaft zusammen, uns von Gott einen Auftrag geben zu lassen und diesen zu tun – ohne Garantie auf Erfolg: Jonatan, Mose, Elia, Petrus – auch Maria („Ich will mich Gott zur Verfügung stellen und mit mir geschehe, was du gesagt hast“ Lk 1,38). ® Die meisten Wunder wären nicht passiert, wenn Menschen nicht vertraut und nicht gewagt hätten.

Solche Wunder gibt es heute nur selten. Warum? Weil es so wenige Jonatans gibt! Wir wünschen uns doch Menschen wie Jonatan, die etwas für Gott wagen – und die Wunder erleben. Ja – es gibt sie: Sabine Ball, Reinhard Bonnke, Jackie Pullinger, David Wilkerson. ® Das sind keine starken/hochbegabten Menschen. Aber sie erleben Wunder. Warum? Weil sie Glauben haben – Glauben der zweiten Dimension: „Für Gott spielt es keine Rolle, ob wir viele oder wenige sind.“ Sie lassen sich von Gott rufen, mit allen Konsequenzen: Verzicht auf Ansehen, Gemütlichkeit, Sicherheit. ® Jetzt beginnt das Leben, interessant zu werden. {Bild}

Gott sucht solche Menschen – heute, jetzt!

Dazu gehört Tapferkeit: Eine Aufgabe mutig anpacken und die eigene Angst überwinden. Wir Christen sind meistens keine mutigen Menschen: Die meisten von uns leben mit Gott, weil wir gemerkt haben, dass wir es ohne Gott nicht schaffen: dass wir Angst haben vor den Gefahren des Lebens, vor Menschen, vor der Zukunft, vor dem Teufel und vor dem Tod. Wir sind zu Gott gekommen, weil wir Angst haben. Das ist nicht schlimm!

Aber wenn wir jetzt mit Gott leben, müssen wir die Angst ablegen! Gott sagt zu uns: Lege deine Angst ab und nimm von mir etwas Neues: Tapferkeit! Warum? ® Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit / Angst gegeben. Das ist der alte Geist, der menschliche Geist! Der Geist Gottes, den wir jetzt haben, ist ein Geist der Kraft, der Zuversicht, der Liebe. Der Geist Gottes macht uns mutig. Er hilft uns, ein Ziel zu verfolgen, auch gegen Widerstände.  Für das zu kämpfen, was wichtig ist. Ehrlich sein und nicht in Menschenfurcht leben („Was denken die Leute“).

Bsp: Ich bin kein mutiger Mensch. Ich kriege immer wieder Angst vor den Dingen, die ich mir selbst „eingebrockt“ habe.

Gott gibt mir Tapferkeit. Tapferkeit kriegt man nicht ein Mal – sie muss immer wieder neu erworben werden: Überwindung, Entscheidung, Wagnis mit Gott – und Gottes Hilfe erleben.

Das ist der Glaube der zweiten Dimension.

Glaube der ersten Dimension: · auf Gott vertrauen · die Sünde ablegen ® erleben, dass Gott mich versorgt und mein Leben führt.

Glaube der zweiten Dimension: · mutig/tapfer sein · Angst und Trägheit überwinden · sich in den Dienst Gottes stellen zu lassen ® erleben, dass Gott durch dich / mit dir große Dinge tut.  Wenn wir tapfer sind, werden wir Wunder erleben! Bist du bereit, Angst zu überwinden, eine Entscheidung zu treffen, mit Gott etwas Neues zu wagen?

·         Ist dein Leben langweilig? Lege deine Angst ab – die Welt ist voll mit spannenden Aufgaben!

·         Bist du einsam? Lege deine Angst ab – die Welt ist voll mit Menschen, die dich brauchen!

·         Fehlt dir der Sinn im Leben? Lege deine Angst ab – Gott hat sinnvolle Dinge vorbereitet, die du tun sollst.

Ich bin überzeugt: Gott ruft dich! Er ruft dich zu Verzicht (Sicherheit, Bequemlichkeit), er ruft dich, tapfer zu sein, er ruft dich in einen Raum der Unsicherheit – und dort wirst du Gott erleben. Und du wirst Wunder erleben.

Gott ruft heute Menschen zu einem Schritt in den Glauben der zweiten Dimension – z.B.:

·         Vollzeitlicher Dienst: Bsp: Ich: „Herr, wenn du willst, gehe ich in den hauptamtlichen Dienst.

·         Ausland: Ihr jungen Leute, geht ins Ausland!

·         Evangelistischer Bereich: Bsp: Jesus-Film (Frühling): Gott prüft unseren Charakter, unsere Treue! ® Die meisten Wunder der letzten 2000 Jahre haben mit Evangelisation und Erweckung zu tun: Gott beweist gerne seine Kraft bei Ungläubigen und jungen Gläubigen.

·         Sozialer Bereich: Dritter Teil des Auftrages („uns für die Bedürfnisse anderer einsetzen“): Vision Krankenhaus

 

[[Nach einem Artikel aus „Aufatmen“, 3/2004]]