Predigt: Das Ziel erreichen

Gehalten wo:

St.Vith , 16.1.2000

 

 

 

 

O. Einleitung:

Welche Ziele haben wir uns für das neue Jahr gesteckt ? Ich meine nicht wo wir den Urlaub verbringen oder ob wir Kacheln bzw. Schiefer würde das neue Hausdach verwenden. So eine Frage geht tiefer. Welche Ziele hast du dir gesetzt ?

Menschen setzen sich die verschiedensten Ziele: Im Beruf, in der Familie, finanziell. Manche unerreichbar ; andere werden erreicht, und dann bleibt erst recht die Frage: war`s das schon ? Habe ich meine Ziele weit genug gesteckt, richtig gesteckt ?

Die Bibel hat ein interessantes Wort für unser Lebensziel. Sie nennt es

( griechisch ) skopos. Dieses Wort gibt es auch als Fremdwort im Deutschen. Der "Skopus" eines Textes ist gleichbedeutend mit dem zentralen Aussagegehalt, mit der Hauptlinie.

Das Ziel meines Lebens – das ist also der Hauptinhalt, die Grundlinie meines Lebens. Paulus beantwortet die Frage nach dem Ziel es Lebens im Brief an die Philipper. Er kommt darin in Kapitel 3 auf seine persönlichen Lebensziele zu sprechen. Und er schildert, wie sich diese Ziele gestalten.

Hören wir auf Phil.3,7-14 ( Textlesung )

Zwei wegweisende Zielangaben macht Paulus an uns:

  1. Vom richtigen Ziel her leben !
  2. Aufs richtige Ziel zu leben !

 

  1. Vom richtigen Ziel her leben ; Christus hat mich ergriffen !
  2. Hohe Ziele hatte er. Ein anerkennenswerter Stammbaum. Tausende Jahre zurückverfolgbar. Die beste Ausbildung. Tadellose Lebensführung. Glänzende Karriere. Aufstieg schon in jüngsten Jahren. Und jetzt bilanziert Paulus: "Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden." ( Phil.3,7 )

    Hohe Ziele, aber doch falsche Ziele. Warum so falsch ? Weil die Lebensziele des Paulus den einen wichtigsten "Skopus" des Lebens, den Hauptinhalt, das Ziel in Person nicht mit einberechnet haben: Jesus Christus.

    Anwendung:

    Überlegen wir doch, welche Ziele wir uns gesetzt haben. Nicht nur die kurzfristigen Etappen. Sondern die großen Linien. Welche Rolle spielt dabei der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus ? Ist er das Ziel meines Lebens ? Ist er nämlich nicht der Skopus, dann können die anderen Ziele noch so gut und erstrebenswert sein, es geht doch daneben.

    Beispiel:

    Manfred Siebald schrieb einmal ein Lied mit dem Titel: "Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen." In diesem Lied geht es um eine Person, die das richtige Ziel verpaßt hat. Es ist, als ob man in einem Zug sitzt mit dem falschen Zielbahnhof, vom Schaffner mit dem Blick auf die Fahrkarte höflich darauf hingewiesen wird, und dann mit freundlichem Lächeln versucht zu erklären, daß doch der Komfort und Service, die vorbeifliegende Landschaft und der Zug so angenehm und schön sei.

    Paulus ist im Blick auf unsere Lebensziele nicht so höflich. Er betitelt sie schonungslos: "Ich erachte es alles für Schaden." Weniger höflich heißt das Wort Schaden eigentlich "Dreck,Kot,Unrat." Die Müllkippe unseres Lebens, die Kloake unserer Ziele, dort enden wir, wenn Jesus nicht das eine Hauptziel unseres Lebens ist.

    "Ich erachte es alles für Dreck, damit ich Christus gewinne." Merken wir, was Paulus sagt ? Die Ziele unseres Lebens können wir nicht einfach selbst nach Lust und Laune definieren. Sie sind uns von Gott vorgegeben.

    Beispiel:

    Es ist nicht möglich, wie bei jenem Bogenschützen, der zuerst den Pfeil abschießt und dann in Kreisen um seinen steckenden Pfeil die Zielscheibe malt. Sondern da hängt eine Zielscheibe, und es gilt das Ziel zu treffen.

    Wie erreichen wir diese Ziele ? Paulus sagt: nicht durch eigene Leistung. Nicht durch Üben und Trainieren. Nicht durch Selbstvertrauen und Fertigkeiten. Mit den Worten des Paulus gesagt: nicht durch "die eigene Gerechtigkeit die aus dem Gesetz kommt"

    ( Phil.3,9 ), sondern durch Gottes Gerechtigkeit.

    Gott selbst schenkt unserem Leben den Hauptinhalt. Er gibt ihm das Ziel. Und dieses Ziel ist Jesus. "Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden."

    Wir brauchen das richtige Ziel. Znd dazu gehört auch, daß wir an der richtigen Stelle gestartet sind

    Beispiel ( Olympiade 1972 in München ):

    Die Spiele gehen ihrem letzten Höhepunkt entgegen. Beim Marathonlauf wird von der Strecke gemeldet, daß der Amerikaner Frank Shorter bald als erster ins Stadion einbiegen wird. Ein Triumph erwartet ihn. Da, eine Gestalt zu sehen. Zigtausende im Stadion schwenken die Fahnen, klatschen, schreien dem Mann zu, der auf die Bahn läuft und seine Hände in Jubelpose nach oben reckt. Die Kameras zoomen ihn heran, die Sensation ist perfekt: es ist nicht Frank Shorter.

    Es ist ein Unbekannter; es sieht sogar aus, als ob es ein Deutscher ist: Ein Deutscher Sieger im Marathonlauf !? Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Nur noch wenige Meter sind zu absolvieren. Die reporter fahnden fieberhaft in ihren Startlisten, um den Sensatiossieger ermitteln zu können. Da, plötzlich, gehen 2 Funktionäre auf den Läufer zu, nehmen ihn am Arm und führen ihn von der Stadionbahn. Ein letzter Wink ins Publikum, der Applaus ebbt ab. Ein Trick. Einer hat sich in Joggingklamotten ins Stadion eingeschlichen.. Einmal im Mittelpunkt stehen. Einmal als Sieger über die Ziellinie kommen. Als Sieger ? Hinten kommt Frank Shorter, der wahre Sieger. Das Ziel erreicht nur der, der auch den richtigen Start gehabt hat. Sonst kann man zwar viel bluffen. Lange mitlaufen. Aber das Ziel ist verfehlt.

    Paulus sagt: Mein Start war dort, wo ich "von Jesus Christus ergriffen wurde." ( Phil.3,12 )

    Seither ist das Ziel klar. Er hat sich als der Hauptinhalt meines Lebens erwiesen. Er hat sich in ganzer Person in mein Leben eingemischt. Er gibt meinem Leben die Richtung. Rechtfertigung und Heiligung greifen ineinander- beides hat seine Ursache in Jesus.

    Nun ist es nicht nur notwendig vom richtigen Ziel her zu leben, sondern auch aufs richtige Ziel zu leben.

  3. Aufs richtige Ziel zu leben : Christus ergreifen

Wer das richtige Ziel hat, ist damit noch nicht am Ziel. Das betont Paulus ganz deutlich gegenüber denen, die denken, damit ist alles gelaufen. Es muß wohl solche in Philippi gegeben haben. Sie dachten, wer Christ ist, hat alles hinter sich.

Paulus liebte es, sportliche Wettkämpfe als Bild für das Leben des Christen zu benutzen. Der berühmte griechische Marathon oder die isthmischen Spiele in Korinth waren ihm stets vor Augen.

Folgenden Vergleich machte Paulus gerne. Im alten Griechenland mußte man Bürger sein, um an den Spielen teilhaben zu können. Natürlich liefen nicht alle Bürger mit, aber wer mitlaufen wollte, musste beweisen, dass er Bürger Griechenlands war. Genauso muss man ein Bürger des Himmels sein, wenn man an dem Rennen teilnehmen will, von dem Paulus hier spricht.

Doch es gibt einen Unterschied: Alle Bürger des Himmels nehmen daran teil. Das Rennen ist nicht freiwillig. Sie nehmen am Rennen nicht teil, um in den Himmel zu kommen, sondern um den Preis zu gewinnen. Das Rennen hat an dem Tag begonnen, an dem du Jesus in dein Leben aufgenommen hast.

Was ist der Preis ? Der Preis ist das ewige Leben und der Lohn die natürliche Folge eines Lebens in einer hingegebenen Nachfolge.

Paulus selbst gibt zu: "Nicht, daß ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet sei ." Diese Aussage des Paulus gewinnt an Bedeutung wenn man weiß daß dieser Brief aus der Gefangenschaft geschrieben wurde. Ausbauen....( "Ich sitze wohl im Gefängnis, aber mein Leben.....)

Paulus kennt die Gefahren, die bei Christen auftauchen können, die meinen, das Ziel scheint schon erreicht.

Sie werden unausgeglichen. Paulus beschreibt dies mit drastischen Worten ( 3,18 ).Christus als Lebensziel ,ja. Aber dann soll das Christsein nur ein Schaulaufen sein. Alles andere Angenehme bitte mitnehmen. Konsum, wo immer es möglich ist. Paulus charakterisiert sie als irdisch gesinnt.

Paulus setzt dagegen: Lebt aufs Ziel zu! Lauft !Er sagt es sogar noch eindrücklicher: "Ich jage dem Ziel nach. Ich strecke mich nach dem was da vorne ist. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden. " Lese Hebr.12,1+2

Eine solche Entschiedenheit im Leben als Christen zeigt, daß wir nicht nur von einem Ziel her leben, sondern auch jeden Tag praktisch auf dieses Ziel zu . Das wirkt sich aus. Praktisch wird es zum Beispiel dort, wo es um unseren Umgang mit unserer Vergangenheit geht. Paulus sagt, wer auf ein so großes Ziel zugeht, für den wird zweitrangig, was war: "Ich vergesse, was da hinten ist."

Damit meint er nicht nur seine ungeeigneten Versuche, sich früher seine Lebensziele aus seiner selbstgemachten Frömmigkeit heraus zu setzen, sondern überhaupt alles was vergangen ist. Wer Jesus als persönliches Lebensziel hat, sollte sich wohl mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt haben aber dann auch nach vorne schauen.

Das vorgegebene Ziel ist zu wichtig, zu schön, als daß wir jede Einzelheit der Strecke und des Rennens immer wieder analysieren und uns einprägen müssen.

Anwendung: Die Frage die uns eingangs beschäftigt hat war: Habe ich mein Ziele richtig gesteckt ? Weit genug gesteckt ? Oder geht es in meinen Ziele auch wieder nur um mein eigenes Wohl ?

Prüfen wir uns vor dem Herrn ! AMEN !